Prolog

Aufgeregt eilte Luzifer, ein großer, muskulöser und gut aussehender Mann in den dreißigern, zu der alten Bibliothek seines Schlosses. Wie konnte so etwas nur passieren? Schwungvoll öffnete er die mit Schnörkeln und Haken versehene Tür und betrat die muffig riechende Bibliothek. Früher hatte er täglich mehrere Stunden seines armseligen Lebens in diesem Saal verbracht. Als verdammter bis in alle Ewigkeiten hatte man viel Zeit zum lesen, doch jetzt hingen Spinnweben in den Ecken, die alten Polstersessel waren von Motten zerfressen und die vielen meist alten und wertvollen Bücher waren von einer dicken Staubschicht bedeckt. Manche sahen aus, als würden sie jeden Moment selbst zu Staub zerfallen. Luzifer schritt zielstrebig zu einem Regal im hinteren Teil des Raumes und zog ein dickes Buch heraus, wobei er soviel Staub aufwirbelte, dass er niesen musste. Er schlug es auf und blätterte einige Minuten darin. Als er gefunden zu haben schien, was er suchte, wurde sein sonst so ausdrucksloser Blick entsetzt, er riss die unheimlichen tiefschwarzen Augen weit auf und ein erschrecktes Keuchen entfuhr seiner Kehle. So etwas hatte er, in seinem schon sehr lange andauernden Leben, noch nie gesehen!

12.8.15 18:41

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